Zuletzt aktualisiert am: 04.11.2026

Die Nase als erstes Messgerät. Was man in einem alten Fertighaus riechen kann und was der Geruch verrät

Kurz zusammengefasst

Die Nase ist das erste Messgerät, das jeder Käufer und Bewohner dabei hat. In einem alten Fertighaus kann sie wertvolle Hinweise liefern. Muffige, stechende, ölige, teerige oder saure Gerüche deuten auf unterschiedliche Quellen hin, etwa auf Chloranisole, Formaldehyd, Holzschutzmittel, PAK oder Schimmel. Der Geruch allein reicht jedoch nie aus. Manche Stoffe riechen kaum oder gar nicht, etwa Asbestfasern. Andere riechen schon bei winzigen Mengen, etwa Chloranisole. Dazu kommen Gewöhnung, Erwartung und Maskierung, die die Wahrnehmung verfälschen. Eine Begehung nach festem Schema, ein Protokoll und eine anschließende Messung machen aus einem ersten Indiz eine belastbare Grundlage. Dieser Artikel beschreibt die wichtigsten Gerüche genau, nennt typische Verwechslungen und liefert Checklisten für die Praxis.

Erster Atemzug

Der erste Atemzug beim Betreten eines Hauses sagt oft mehr als die erste Viertelstunde der Besichtigung. Wer ein altes Fertighaus aus den 1960er bis 1980er Jahren betritt, nimmt Gerüche wahr, bevor er etwas sieht. Mal ist es ein trocken muffiger Hauch, mal ein scharfer Reiz in der Nase, mal ein öliger Geruch auf dem Dachboden. Viele fragen sich dann, ob das ein Warnsignal ist.

Dieser Artikel beantwortet die Frage in drei Schritten. Zuerst erklärt er, wie die Nase arbeitet und warum sie nur begrenzt verlässlich ist. Dann beschreibt er die wichtigsten Gerüche sehr genau, mit Geruchsbild, Ursachen, Verwechslungen und nächsten Schritten. Zum Schluss folgen Checklisten, die Sie bei einer Begehung nutzen können.

Eine Aussage gilt durchgehend. Der Geruch allein reicht nicht aus. Er kann aber ein erstes Indiz sein, das Ihre weitere Untersuchung lenkt. Wer diese Rolle der Nase versteht, nutzt sie richtig und überschätzt sie nicht.

Der Artikel ersetzt keine Messung und keine ärztliche Beratung. Bei Gasgeruch oder Brandgeruch gilt eine Ausnahme. Hier handeln Sie sofort, wie im Abschnitt zu den Gerüchen mit anderen Ursachen beschrieben.

Wie die Nase arbeitet und wo ihre Grenzen liegen

Riechen beginnt mit Molekülen. Flüchtige Stoffe gelangen mit der Atemluft zur Riechschleimhaut und lösen dort Signale aus. Daneben reagiert die Nase auf Reizstoffe. Dieser Reiz erzeugt Empfindungen wie stechend, beißend oder brennend. Streng genommen gehören sie nicht zum Geruch, sondern zur Schleimhautreizung. In der Praxis verschwimmen beide Eindrücke.

Entscheidend ist die Geruchsschwelle. Sie beschreibt die Konzentration, ab der ein Stoff wahrnehmbar wird. Sie unterscheidet sich von Stoff zu Stoff enorm. Für ein und denselben Stoff weichen Literaturwerte zur Geruchsschwelle nicht selten stark voneinander ab. Zwei Beispiele zeigen die Spannweite. Trichloranisol, ein Abbauprodukt von PCP, hat einen Geruchsschwellenwert von etwa zwei Pikogramm pro Liter Luft. Das ist unvorstellbar wenig. Formaldehyd dagegen wird je nach Quelle erst bei 0,05 bis 1,0 ppm als Geruch wahrgenommen. Der Richtwert für Innenräume liegt bei 120 Mikrogramm pro Kubikmeter, also 0,1 ppm. Die Nase reagiert auf den einen Stoff schon bei Spuren und auf den anderen erst im Bereich des Richtwerts oder darüber. Daraus folgt zweierlei. Ein starker Geruch bedeutet nicht automatisch eine hohe Belastung. Ein fehlender Geruch ist keine Entwarnung.

Gewöhnungseffekt

Hinzu kommt die Gewöhnung. Bei der olfaktorischen Adaptation gewöhnt sich der Geruchssinn an andauernde Reize, sodass sie stark reduziert oder gar nicht mehr wahrgenommen werden. Wer in einem Haus lebt, riecht dessen Geruch nach kurzer Zeit nicht mehr. Besucher riechen ihn sofort. Das Gehirn blendet Gleichbleibendes aus, damit es nicht mit überflüssigen Informationen überlastet wird.

Schließlich ist Riechen Erfahrungssache. Ein Fachbeitrag der Unfallversicherung hält fest, dass wir uns auf unseren Geruchssinn leider nicht verlassen können, und zeigt, dass derselbe Duft je nach Erfahrung als Urlaubserinnerung oder als Krankenhausgeruch gedeutet wird.

Fachleute arbeiten deshalb mit festen Verfahren. Die DIN ISO 16000 Teil 30 beschreibt, wie Geruchsprüfungen im Innenraum mit geschulten oder ungeschulten Prüfern durchgeführt und nach Akzeptanz, Intensität und Hedonik bewertet werden. Hedonik meint, wie angenehm oder unangenehm ein Geruch empfunden wird. Ihre eigene Begehung kann das nicht ersetzen. Sie kann aber nach einem ähnlichen Prinzip geordnet ablaufen.

So bereiten Sie eine Geruchsbegehung vor

Eine gute Begehung beginnt vor dem Betreten. Die folgende Checkliste ordnet die Schritte.

SchrittWas Sie tunWarum es hilft
1 TerminWählen Sie einen Termin am Vormittag. Bitten Sie darum, dass die Räume mindestens zwölf Stunden geschlossen bleiben und nicht gelüftet werden.Gerüche reichern sich in ruhiger Luft an und werden deutlicher.
2 Eigene NaseVerzichten Sie vorher auf Parfum, Kaffee, Zigaretten und Mundwasser. Kommen Sie ohne Schnupfen.Fremdgerüche und geschwollene Schleimhäute verfälschen die Wahrnehmung.
3 Erster AtemzugAtmen Sie im Eingangsbereich bewusst ein und notieren Sie sofort Ihren Eindruck.Die ersten Sekunden sind die ehrlichsten, bevor die Gewöhnung einsetzt.
4 Raum für RaumSchließen Sie Fenster und Tür, warten Sie eine Minute und riechen Sie an mehreren Stellen, auch in den Raumecken.Gerüche sind nicht gleichmäßig verteilt.
5 BauteileÖffnen Sie Schranktüren, Abseiten, Dachbodenluke und Kellerräume. Riechen Sie kurz und vorsichtig.Hohlräume speichern Gerüche und geben sie beim Öffnen frei.
6 PausenGehen Sie nach drei Räumen an die frische Luft.Die Nase erholt sich.
7 NotierenTragen Sie jeden Eindruck mit eigenen Worten in ein Protokoll ein.Die Erinnerung ist unzuverlässig.
8 WîederholenWiederholen Sie, wenn möglich, die Begehung zu einer anderen Tageszeit und Jahreszeit.Temperatur und Feuchte verändern die Abgabe von Stoffen.

Zwei Hinweise sind wichtig. Beschreiben Sie Gerüche in eigenen Worten. Ein Satz wie „wie ein alter Kellerkarton” ist wertvoller als das Wort „unangenehm”. Und achten Sie auf Ihre Sicherheit. Riechen Sie nie tief an offenen Dämmstoffen, Staub oder Pulvern. Öffnen Sie keine Steckdosen und keine Verkleidungen. Bei Verdacht auf Asbest oder alte Mineralwolle halten Sie Abstand.

Die einzelnen Gerüche genau beschrieben

Die folgenden Abschnitte folgen immer demselben Schema. Zuerst das Geruchsbild, dann typische Orte, Ursachen, Verwechslungen, Aussagekraft und der nächste Schritt.

Muffig, trocken und korkig. Chloranisole und Chlornaphthaline

Geruchsbild. Der Geruch ist trocken muffig. Er erinnert an einen lange geschlossenen Wandschrank, an feuchten Karton, an alte Bücher im Keller oder an einen Korken, der nach Kellerluft riecht. Fachliche Beschreibungen dieser Geruchsfamilie reichen von holzig bis muffig. Der Geruch hat keine scharfe Kante. Er legt sich eher wie ein Schleier über den ganzen Raum. Oft ist er schon beim Betreten da, auch in Räumen ohne sichtbare Schäden. Bewohner riechen ihn mit der Zeit nicht mehr.

Typische Orte. Außenwände, Dachschrägen, Einbauschränke an Außenwänden, Abseiten, Kniestöcke und Räume mit viel Holzständerwerk. Der Geruch verstärkt sich bei Wärme und nach längerem Schließen der Räume.

Ursachen. Die Verbraucherzentrale NRW beschreibt den Fall eines Fertighauses aus den 1970er Jahren. Eine Raumluftmessung ergab Chloranisole und Chlornaphthaline, die den muffigen Geruch erklärten. Die Beratung führt solche Gerüche in älteren Fertighäusern häufig auf die Zersetzung von Holzschutzmitteln zurück. Chloranisole entstehen, wenn Mikroorganismen PCP über Trichlorphenol zu Trichloranisol umsetzen. Dafür braucht es Feuchtigkeit. Deshalb tritt der Geruch oft dort auf, wo ein Bauteil zeitweise feucht war.

Verwechslungen. Schimmel, feuchter Keller, alte Möbel und ungelüftete Räume. Als Faustregel, nicht als Test, gilt Folgendes. Schimmelgeruch ist erdiger und an feuchte Zonen gebunden. Der Chloranisolgeruch ist trockener, korkiger und breiter im Raum verteilt.

Aussagekraft. Hoch als Hinweis, gering als Beweis. Wegen der extrem niedrigen Geruchsschwelle kann ein deutlicher Geruch von sehr kleinen Mengen stammen. Umgekehrt ist ein verschwundener Geruch kein Erfolgsnachweis nach einer Sanierung. Hier zählt die Messung.

Nächster Schritt. Raumluft und Materialanalyse auf PCP und Chloranisole, am besten durch einen Sachverständigen. Der Artikel zu Selbsttest oder Labor erklärt die Methoden.

Erdig, modrig und pilzig. Schimmel und mikrobielle Gerüche

Geruchsbild. Der Geruch ist feucht und erdig, wie Waldboden nach Regen, wie ein Kartoffelkeller oder wie ein Pilzgericht. Eine einzelne Leitsubstanz, das Geosmin, wird als erdig beschrieben. Der Geruch ist an Feuchte gebunden und wird bei Nässe und Wärme meist deutlicher.

Typische Orte. Keller, Bad, Wandflächen hinter Schränken an Außenwänden, Wandfüße, Fensterlaibungen und Dachanschlüsse.

Ursachen. Schimmelpilze bilden flüchtige Stoffe, die als MVOC bezeichnet werden. Das Umweltbundesamt nennt sie verantwortlich für den charakteristischen moderigen Geruch.

Verwechslungen. Chloranisole, feuchte Wäsche, Abwasser und nasse Pappe.

Aussagekraft. Das Umweltbundesamt führt einen muffigen und modrigen Geruch, Feuchteflecken und dunkle Flecken als indirekte Hinweise auf eine Schimmelbelastung. Ein Nachweis von MVOC allein beweist aber keinen Befall, denn MVOC werden nicht nur von Schimmelpilzen, sondern auch von Bakterien freigesetzt. Das Landesamt für Gesundheit in Bayern hält fest, dass toxische Wirkungen von MVOC im Innenraum nach heutigem Kenntnisstand nicht relevant sind, ein Geruch aber ernst genommen werden sollte.

Nächster Schritt. Feuchtequelle suchen und beseitigen. Bei einem größeren Befall über 0,5 Quadratmeter sollte eine Fachfirma arbeiten.

Stechend, beißend und scharf. Formaldehyd

Geruchsbild. Der Geruch ist scharf und stechend. Er kitzelt in der Nase und kann die Augen reizen. Viele denken an ein Präparat aus dem Biologieunterricht, an frisch geöffnete Spanplattenschränke oder an ein Desinfektionsmittel. Formaldehyd ist ein farbloses, stechend riechendes Gas. Typisch ist, dass Geruch und Reiz gemeinsam auftreten. Nach dem Lüften lässt der Eindruck schnell nach und kehrt in geschlossenen, aufgeheizten Räumen zurück.

Typische Orte. Räume mit viel Spanplatte, ausgebaute Dachgeschosse, Einbauschränke, Wand und Deckenverkleidungen. Der stechende Geruch ist zum Beispiel vom Öffnen neuer Spanplattenschränke bekannt.

Zahlen zur Wahrnehmung. Eine Fachübersicht nennt für die Geruchsschwelle 0,05 bis 1,0 ppm und für die Reizung von Augen und Nase 0,01 bis 1,6 ppm. In Innenräumen liegt Formaldehyd typischerweise bei etwa 0,1 ppm. Die Spannen zeigen, wie unterschiedlich Menschen reagieren. Eine Person bemerkt Werte im Bereich des Richtwerts, eine andere nicht.

Verwechslungen. Reinigungs und Desinfektionsmittel, frische Farben und Kleber, Zigarettenrauch und neue Möbel.

Aussagekraft. Mittel bis hoch als Hinweis in Häusern mit viel Spanplatte. Der Geruch liefert aber keinen Wert. Wer nichts riecht, kann trotzdem Werte nahe dem Richtwert haben.

Nächster Schritt. Passivsammler oder Raumluftmessung unter definierten Bedingungen. Der Artikel zu den Spanplatten hilft, die Plattentypen im Haus einzuordnen.

Ölig, schwer und chemisch. Alte Holzschutzmittel

Geruchsbild. Der Geruch ist schwer und ölig, leicht süßlich und chemisch. Er erinnert an eine alte Werkstatt, an eine Holzlasur der 1970er Jahre oder an Lösemittel. Er haftet an Holzflächen und wird bei Sonne und Wärme deutlicher. Stiftung Warentest beschreibt, dass der Einsatz von Mitteln wie Xylamon und Hylotox oft an einem öligen Geruch und an raureifartigen Kristallen auf der Holzoberfläche erkennbar ist.

Typische Orte. Dachboden, Dachschrägen, Sparren, Balken, Holzverkleidungen und Außenschalungen.

Ursachen. Eine Behandlung mit Holzschutzmitteln. Der Haupteinsatzzeitraum für PCP waren die 1970er Jahre, und die Produktion in der Bundesrepublik wurde 1986 eingestellt. Der Geruch stammt aus dem Produktgemisch. Aus ihm allein lassen sich Wirkstoffe wie PCP, Lindan oder DDT nicht ableiten.

Verwechslungen. Leinöl, Lasuren, alte Lacke und Karbolineum, das eher teerig riecht.

Aussagekraft. Ein starkes Indiz für eine Behandlung, aber kein Maß für die Belastung. Die Kristalle sind ein zusätzlicher optischer Hinweis. Fassen Sie sie nicht mit bloßen Händen an.

Nächster Schritt. Staubprobe und Materialprobe, wie im Artikel zu PCP und Lindan und im Artikel zu Selbsttest oder Labor beschrieben.

Teerig, rauchig und nach Mottenkugeln. PAK und Naphthalin

Geruchsbild. Der Geruch ist scharf, beißend und teerähnlich. Naphthalin hat einen beißenden, teerähnlichen Geruch. Man kennt ihn von frisch geteerten Straßen, von Bahnschwellen, von Dachpappe in der Sonne und von Mottenkugeln. Eine rauchige, bittere Note ist typisch. Er beißt stärker in der Nase als der trockene, muffige Geruch.

Typische Orte. Unter altem Parkett, auf dem Dachboden, an Kellerwänden mit Schwarzanstrichen und an alten Holzbauteilen. Das Landesamt für Umwelt Bayern nennt als Einsatzbereiche PAK haltige Kleber und Anstriche. Holzschutzmittel mit Teeröl wurden erst 2002 verboten, mit Ausnahmen.

Ursachen. Teer und Pech enthalten PAK. Naphthalin entweicht auch aus Teerfarben und Klebern auf Teerbasis. Ein Ratgeber hält fest, dass ein Geruch nach Teer ein deutlicher Hinweis auf PAK in Innenräumen ist.

Verwechslungen. Mottenkugeln im Schrank, Kaminruß, Zigarettenrauch und frische Bitumenbahnen. Auch ob ein Kleber hoch belasteter Teer oder weniger belastetes Bitumen ist, lässt sich meist nicht am Aussehen entscheiden.

Aussagekraft. Hoch als Hinweis, aber nur eine Probe klärt den Gehalt.

Nächster Schritt. Eine Materialprobe des Klebers auf Benzopyren, durch Fachleute entnommen. Schleifen oder Herausreißen des Parketts sollten Sie vermeiden, weil dabei Staub entsteht.

Sauer und essigartig. Essigsäure und Ameisensäure

Geruchsbild. Der Geruch ist sauer und erinnert an Essigreiniger oder Salatdressing. Er kratzt im Rachen und wird bei Wärme deutlicher. Der Eindruck ist weniger scharf als bei Formaldehyd, eher spitz und sauer.

Typische Orte. Räume mit viel Holzwerkstoff, Einbauschränke und Verkleidungen. Die Säuren gasen aus Holz, Holzwerkstoffen und Klebstoffen aus. Ein zusätzlicher Hinweis ist Korrosion an Metallteilen, etwa an Scharnieren oder Beschlägen.

Verwechslungen. Essigreiniger, Gärung in Küche oder Keller und feuchte Kellerluft.

Aussagekraft. Gering als Hinweis auf Schadstoffe. Gesundheitlich gelten diese Säuren in der Regel als weniger kritisch als andere Stoffe, sie sind aber ein verbreitetes Alltagsproblem.

Nächster Schritt. Bei Beschwerden eine Raumluftmessung veranlassen. Ohne Beschwerden genügt häufig eine Beobachtung.

Süßlich, plastikartig und gummiartig. Weichmacher und Dichtstoffe

Geruchsbild. Der Geruch ist süßlich, leicht chemisch und erinnert an einen neuen Duschvorhang, an Gummistiefel oder an alte Kabelisolierung. Er ist weich und haftend, nicht stechend.

Typische Orte. PVC Bodenbeläge, Kabel, Fugenmassen an Fenstern und Anschlüssen, Folien und Dichtbahnen.

Ursachen. Weichmacher in Kunststoffen und Dichtstoffen. Fugenmassen alter Bauzeiten können auch PCB enthalten. Der Geruch erlaubt keine Unterscheidung zwischen harmlosen Weichmachern und PCB.

Verwechslungen. Neue Möbel, Putzmittel, Kunststoffgegenstände und Duftstoffe.

Aussagekraft. Gering. Der Geruch nennt keinen Stoff.

Nächster Schritt. Bei Verdacht auf PCB eine Materialprobe der Fugenmasse im Labor. Nicht schneiden oder abkratzen, ohne Schutz.

Harzig, warm und leimig. Holz und Spanplatte ohne Alarmwert

Geruchsbild. Der Geruch ist warm, harzig und leicht süßlich, wie in einem Sägewerk oder in einem Kiefernwald. Bei Spanplatten kommt eine leimige Note hinzu. Er ist mild, ohne Schärfe.

Typische Orte. Frisch bearbeitete Holzflächen, Dachböden mit offenem Nadelholz, Werkstätten, neue Möbel.

Ursachen. Naturstoffe im Holz, vor allem Terpene.

Verwechslungen. Mit Formaldehyd. Der Unterschied liegt in der Schärfe. Harz riecht mild und warm, Formaldehyd reizt und sticht.

Aussagekraft. Als Schadstoffhinweis gering. Der Geruch kann aber andere Gerüche überdecken. Wer ihn wahrnimmt, sollte trotzdem auf weitere Eindrücke achten.

Nächster Schritt. Keiner nötig, wenn keine weiteren Auffälligkeiten bestehen.

Fettig, ranzig und linoleumartig. Öle, Farben und Bodenbeläge

Geruchsbild. Der Geruch ist fettig und leicht ranzig, wie altes Speiseöl, wie ein Farbtopf mit Leinöl oder wie Linoleum. Bei Wärme wird er deutlicher.

Typische Orte. Linoleumböden, Ölfarben, ältere Anstriche, Schränke mit lange eingetrockneten Lacken.

Ursachen. Ölbasierte Bindemittel und Farben. Beim Altern entstehen dabei Aldehyde, die den ranzigen Eindruck erzeugen.

Verwechslungen. Mit dem öligen Geruch alter Holzschutzmittel. Der Unterschied liegt im Ort. Linoleum und Anstriche riechen am Boden und an Flächen, Holzschutzmittel am Holz im Dach und an den Balken.

Aussagekraft. Gering.

Nächster Schritt. Keiner nötig, wenn der Geruch eindeutig einem Belag oder Anstrich zugeordnet werden kann.

Gerüche mit anderen Ursachen. Tiere, Abwasser, Gas und Elektrik

Nicht jeder Geruch im Haus hat mit Schadstoffen zu tun. Vier Gruppen verdienen eine kurze Beschreibung.

Tierisch

Mäuse, Marder oder Vögel hinterlassen einen ammoniakartigen, urinösen Geruch. Er sitzt in Zwischendecken, Dachräumen und hinter Verkleidungen.

Abwasser

Ein fauliger Geruch nach Schwefel, ähnlich verdorbenen Eiern, deutet auf einen trockenen Siphon oder eine undichte Leitung hin.

Gas

Erdgas wird mit einem Warnstoff versehen, der faulig und kohlartig riecht. Bei Gasgeruch verlassen Sie das Gebäude sofort, vermeiden Funken und Schalter und rufen von draußen den Notruf 112 oder den Gasnotdienst an.

Elektrik

Ein verschmorter, heißer, scharfer Geruch an Steckdosen, Verteilern oder Geräten ist ein Brandwarnsignal. Schalten Sie den betroffenen Stromkreis ab, wenn Sie das gefahrlos können, und rufen Sie einen Elektriker oder bei Rauch die Feuerwehr.

Gefahren ohne Geruch

Der wichtigste Satz dieses Artikels betrifft das, was man nicht riecht. Asbestfasern sind geruchlos. Sie sind auch unsichtbar, solange sie nicht als Material erkennbar sind. Die Fasern künstlicher Mineralwolle sind ebenfalls ohne eigenen Geruch. Radon und Kohlenmonoxid sind geruchlos. Auch aus dem Geruch allein lassen sich Wirkstoffe wie PCP, Lindan oder DDT nicht ableiten. Wer sich auf seine Nase verlässt, übersieht also ausgerechnet einige der ernstesten Stoffe. Das ist der Grund, warum der Geruch nur ein Indiz sein kann.

Wie man sich täuschen kann

Die Nase kann in beide Richtungen irren. Sie kann Alarm schlagen, wo keiner nötig ist, und schweigen, wo er nötig wäre. Acht Fehlerquellen sind besonders häufig.

Gewöhnung. Bewohner riechen ihr eigenes Haus nicht mehr. Wer seit Jahren dort lebt, hält den Geruch für normal. Bitten Sie neutrale Besucher um ihren ersten Eindruck beim Betreten.

Erwartung. Wer nach Schadstoffen sucht, riecht sie leichter. Gedanken und Erfahrungen prägen die Deutung. Die Unfallversicherung zeigt, dass dieselbe Substanz je nach Etikett angenehm oder abstoßend wirken kann. Wer sich unsicher ist, lässt eine zweite Person unabhängig riechen und notieren.

Maskierung. Verkäufer oder Vorbesitzer können Gerüche überdecken. Lüften, Raumspray, Duftkerzen, frische Farbe, Backen oder Kochen verändern den Eindruck. Auffällig ist ein sehr starker Duft, der zu der Jahreszeit oder dem Zustand der Räume nicht passt.

Bedingungen. Temperatur, Feuchte, Heizung und Tageszeit beeinflussen, wie stark Stoffe ausgasen. Im Sommer unter dem Dach riecht es anders als im Winter. Deshalb ist eine Wiederholung zu anderer Zeit wertvoll.

Individuelle Unterschiede. Schnupfen, Rauchen, Allergien, Alter und Veranlagung verändern die Nase. Eine Person riecht Formaldehyd bei niedrigen Werten, eine andere erst bei hohen.

Gemische. Reale Häuser riechen nach einem Gemisch. Ein kräftiger Geruch kann einen schwächeren überdecken. Die Nase trennt Mischungen schlecht.

Quelle und Ort. Der Ort, an dem Sie etwas riechen, ist nicht immer der Ort der Quelle. Gerüche wandern durch Hohlräume und setzen sich in Textilien und Möbeln fest. Der Schrank riecht, die Ursache sitzt vielleicht in der Wand dahinter.

Falsche Sicherheit nach Sanierung. Ein Geruch, der nach einer Maßnahme verschwunden ist, beweist keine Beseitigung der Ursache. Gerade bei Stoffen mit niedriger Schwelle oder ohne Geruch zählt nur die Messung.

Warum der Geruch allein nicht reicht

Die Gründe lassen sich kurz zusammenfassen. Erstens unterscheiden sich Geruchsschwellen und Gesundheitsschwellen. Chloranisole sind schon in Spuren riechbar, Formaldehyd erst im Bereich des Richtwerts. Zweitens fehlt manchen Stoffen jeder Geruch. Drittens verändert sich die Wahrnehmung durch Gewöhnung und Erwartung. Viertens liefert die Nase keine Zahl.

Die Normung sieht das genauso. Die DIN ISO 16000 Teil 30 empfiehlt, neben der Geruchsprüfung auch chemische Untersuchungen durchzuführen, da allein anhand der Geruchsprüfung eine gesundheitliche Beurteilung nicht möglich ist. Die Geruchsprüfung bleibt trotzdem wertvoll. Für die Bewertung der Zumutbarkeit eines Geruchs ist sie eine wichtige Teiluntersuchung. Die Unfallversicherung ergänzt, dass nicht jeder potenziell gefährliche Stoff vorab an seinem Geruch erkannt werden kann.

Daraus ergibt sich ein Dreiklang. Die Nase liefert das erste Indiz. Die Unterlagen und Plattentypen liefern den Kontext. Die Messung liefert die Zahl.

Checkliste 2. Der Protokollbogen

Kopieren Sie diese Tabelle und füllen Sie für jede Begehung eine Zeile pro Raum und Bauteil aus. Die Skala für die Intensität ist eine Orientierung und nicht genormt. Sie reicht von 0 für keinen Geruch über 1 für gerade wahrnehmbar, 2 für schwach, 3 für deutlich, 4 für stark bis 5 für sehr stark.

Raum und BauteilDatum, Uhrzeit und BedingungenGeruchsbild in eigenen WortenIntensität von 1 bis 5Angenehm oder unangenehmErster Verdacht
Beispiel Kinderzimmer, Wandschrank Außenwand10.10., 9 Uhr, geschlossen seit der Nacht, 16 Gradtrocken muffig, wie alter Karton3unangenehmChloranisole oder Feuchte

Checkliste 3. Geruchsbild und Zuordnung

Die Übersicht fasst die Gerüche zusammen. Sie ist eine Orientierung. Jede Zuordnung bleibt ein Verdacht, bis eine Messung vorliegt.

GeruchsbildMögliche SchadstoffquelleHäufige harmlose VerwechslungAussagekraft als IndizNächster Schritt
trocken muffig, korkigChloranisole, Chlornaphthaline aus HolzschutzmittelnSchimmel, alte Möbelhoch, als HinweisRaumluft und Materialanalyse
erdig, modrig, pilzigSchimmel mit MVOCfeuchte WäschemittelFeuchtequelle suchen
stechend, beißend, scharfFormaldehyd aus SpanplattenReiniger, frische Farbemittel bis hochPassivsammler, Raumluftmessung
ölig, schwer, chemischHolzschutzmittelresteLasuren, Leinölhoch, als HinweisStaub und Materialprobe
teerig, rauchig, mottenkugelartigPAK, Naphthalin aus Teer und TeerklebernMottenkugeln, Bitumenhoch, als HinweisMaterialprobe, nicht schleifen
sauer, essigartigEssigsäure, Ameisensäure aus HolzwerkstoffenReiniger, GärunggeringBeobachten, bei Beschwerden messen
süßlich, plastikartigWeichmacher, Fugenmassen, PCB möglichneue KunststoffegeringMaterialprobe bei Verdacht
harzig, warm, leimigHolz, Terpene, LeimFormaldehydgeringkeiner nötig
fettig, ranzig, linoleumartigÖle, Farben, LinoleumHolzschutzmittelgeringOrt zuordnen
ammoniakartig, faulig, verschmortTiere, Abwasser, Gas, Elektrikkeineje nach Fall sofort handelnGefahr prüfen, Fachleute rufen

Was Sie tun, wenn Sie etwas riechen

Bleiben Sie ruhig und gehen Sie in Stufen vor. Zuerst klären Sie, ob eine akute Gefahr besteht. Gasgeruch, Brandgeruch und verschmorte Elektrik haben Vorrang. Danach dokumentieren Sie den Geruch im Protokoll und grenzen die Quelle auf Raum und Bauteil ein. Lüften Sie nicht als Lösung, sondern als Übergang. Es senkt den Eindruck, beseitigt die Ursache aber nicht.

Im nächsten Schritt sichten Sie die Unterlagen. Baujahr, Hersteller, Plattentypen und Holzschutznachweise helfen bei der Einordnung. Die Artikel zur Normgeschichte der DIN 68800, zur Typenprüfung und zu den Spanplatten zeigen, wo Sie suchen.

Dann wählen Sie die Untersuchung. Für eine erste Orientierung eignen sich Staubproben und einzelne Materialproben. Für Kauf, Streit oder Sanierungsplanung brauchen Sie einen Sachverständigen mit akkreditiertem Labor. Der Artikel zu Selbsttest oder Labor erklärt die Abwägung. Bei gesundheitlichen Beschwerden holen Sie zusätzlich ärztlichen Rat ein.

Die Nase als Instrument

Die Nase ist ein brauchbares, aber unzuverlässiges Instrument. Sie erkennt manche Stoffe in Spuren und andere gar nicht. Sie gewöhnt sich, lässt sich täuschen und liefert keine Zahl. Trotzdem ist sie wertvoll, weil sie als Erste Alarm schlägt und die Untersuchung in die richtige Richtung lenkt. Wer systematisch riecht, sein Ergebnis protokolliert und es mit Unterlagen und Messungen verbindet, nutzt die Nase richtig. Der Geruch allein reicht nie aus. Als erstes Indiz ist er aber ein guter Anfang.

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich Schadstoffe in einem alten Fertighaus riechen?

Manche ja, manche nicht. Chloranisole, Formaldehyd, Teerprodukte und Holzschutzmittelgemische riechen. Asbestfasern, Mineralwolle, Radon und Kohlenmonoxid riechen nicht. Auch die Wirkstoffe PCP, Lindan oder DDT lassen sich aus dem Geruch allein nicht ableiten.

Welcher Geruch ist typisch für ein altes Fertighaus?

Häufig wird ein trockener, muffiger Geruch beschrieben. Die Verbraucherzentrale NRW führt ihn in älteren Fertighäusern oft auf Chloranisole und Chlornaphthaline zurück. Ein stechender Geruch kann auf Formaldehyd hindeuten.

Heißt kein Geruch, dass das Haus unbelastet ist?

Nein. Formaldehyd wird oft erst im Bereich des Richtwerts wahrgenommen, andere Stoffe gar nicht. Ein fehlender Geruch ist keine Entwarnung.

Wie unterscheide ich Schimmelgeruch von Chloranisolgeruch?

Als Faustregel riecht Schimmel erdiger und feuchter und tritt an Feuchtestellen auf. Chloranisole riechen trockener und korkiger und verteilen sich breiter im Raum. Verlässlich klärt das nur eine Untersuchung.

Warum rieche ich den Geruch nicht mehr, meine Gäste aber schon?

Das ist Gewöhnung. Der Geruchssinn blendet andauernde Reize aus. Bitten Sie Besucher um ihren ersten Eindruck beim Betreten.

Reicht Lüften, um den Geruch loszuwerden?

Lüften senkt den Eindruck kurzfristig. Es beseitigt aber nicht die Quelle. Bleibt der Geruch nach dem Lüften wiederkehrend, ist eine Untersuchung sinnvoll.

Sollte ich beim Hauskauf den Verkäufer bitten, vor der Besichtigung nicht zu lüften?

Ja, das ist eine sinnvolle Bitte. Geschlossene, nicht gelüftete Räume zeigen Gerüche deutlicher. Achten Sie zugleich auf Maskierung durch Raumspray, Duftkerzen oder frische Farbe.

Wann muss ich sofort handeln?

Bei Gasgeruch, Brandgeruch oder verschmortem Geruch an der Elektrik und bei starker Reizung der Atemwege. Verlassen Sie in diesen Fällen den Raum und holen Sie Hilfe.

Weiterführende Literatur

Dieses Thema behandle ich in meinem Buch „Das Fertighausdilemma” ausführlich. Dort finden Sie die Einordnung der Schadstoffe, Selbsttestmethoden und Checklisten für Käufer, Verkäufer, Makler und Bewohner.

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Über den Autor

Maximilian Hundertmark

Der Autor befasst sich seit Jahren intensiv mit den baulichen Besonderheiten, Schadstoffrisiken und Geruchsproblemen älterer Fertighäuser. Als Autor der Bücher „Hosby“ und „Das Fertighaus-Dilemma“ fasst er fundierte Recherchen und praktische Erkenntnisse zusammen, um Hauskäufern und Eigentümern eine unabhängige und ehrliche Orientierung zu bieten.