Zuletzt aktualisiert am: 04.11.2026

Holzprobe im Fertighaus selbst entnehmen: Mein Vorgehen und das Laborergebnis (Hosby, Baujahr 1986)

Kurz zusammengefasst

  • Ausgangslage: Fertighaus der dänischen Marke Hosby, Baujahr 1986, bewohnt seit meiner Kindheit, ohne Hinweise auf gesundheitliche Beschwerden im Haus.
  • Methode: Eine selbst entnommene Mischprobe aus zehn Stellen eines Dachsparrens (je 1 bis 2 mm dicke Holzstreifen) wurde mit einem Material-Check an ein Fachlabor geschickt. Untersucht wird das Holz selbst, nicht die Raumluft.
  • Analytik: Kapillargaschromatographie mit Elektroneneinfangdetektor (GC/ECD) nach VDI 4301 Blatt 3, Angabe in mg/kg.
  • Ergebnis: Lindan 36 mg/kg, Dichlofluanid 10 mg/kg. PCP und alle anderen untersuchten Wirkstoffe waren nicht nachweisbar (Bestimmungsgrenze ca. 1 mg/kg).
  • Laborbewertung: leichte, eventuell noch tolerierbare Belastung.
  • Erkenntnis: Ein spätes Baujahr ist keine verlässliche Entwarnung für einzelne Wirkstoffe. Ein Material-Check ersetzt aber kein Gutachten.

Warum ich eine Holzprobe aus meinem eigenen Haus untersuchen ließ

Wie ich in meinem Buch erwähne, bewohne ich seit meiner Kindheit ein Fertighaus der Marke Hosby aus dem Jahr 1986. Als ich ein Buch über die dänische Fertighausfirma Hosby (hosby-historie.de) schrieb, die seit mehr als 25 Jahren nicht mehr existiert, beschäftigte ich mich intensiv mit Schadstoffen, die seinerzeit zum Einsatz kamen.

Es gab zu keinem Zeitpunkt gesundheitliche Einschränkungen in meiner Familie, die auf Schadstoffe im Baumaterial hindeuteten. Dennoch wollte ich es genauer wissen, statt mich auf eine bloße Vermutung zu verlassen. Ich entschied mich dazu, eine Holzprobe aus dem eigenen Haus in einem Fachlabor auf Holzschutzmittelrückstände untersuchen zu lassen.

Dieser Entschluss stand im Zusammenhang mit meiner Recherche zur Verwendung von Lindan bei Hosby-Häusern. Unabhängig davon, ob ein etwaiger Lindaneintrag auf das namentlich bekannte Mittel „Wolvac 55″ (wurde seinerzeit bei Hosby verwendet) oder auf andere lindanhaltige Präparate zurückgeht: Lindan war bei Hosby-Häusern zumindest bis in die frühen 1980er-Jahre hinein ein Thema. Für eine mögliche PCP-Belastung fanden sich in meiner Recherche hingegen keine Quellenhinweise. Um die eigene Situation nicht nur auf Basis von Herstellerunterlagen und Sekundärliteratur, sondern anhand einer eigenen Materialprobe zu beurteilen, folgte der Schritt ins Labor.

Zwei Wege zur Selbstuntersuchung

Wer eine Verdachtsbelastung im eigenen Haus überprüfen möchte, ohne gleich ein Sachverständigenbüro zu beauftragen, findet am Markt sogenannte Holzschutzmittel-Checks für den Hausgebrauch. Wichtig für das Verständnis dieser Angebote: Untersucht wird nicht die Raumluft und auch nicht der Hausstaub, sondern das potenziell belastete Material selbst, im Regelfall also eine kleine Holzprobe aus dem Konstruktionsholz.

Zum Zeitpunkt meiner Untersuchung standen mir insbesondere zwei Angebote zur Wahl, die sich in Umfang und Kosten unterschieden:

Anbieter/ ProduktKostenLeistungsumfang
Luftsan „Raumluft-Analyse Holzschutzmittel”ca. 150 €Trotz der Produktbezeichnung keine reine Raumluftmessung, sondern ein Set zur Untersuchung von Hausstaub oder anderen Materialien wie Holz oder Textilien in einem deutschen Fachlabor (ca. 50 Prüfwerte)
Dr. Drexler + Dr. Fecher GmbH „Holzschutzmittel- und PCB-Materialcheck”ca. 160 €Chlorpestizid-Test für das Wohnumfeld inkl. Fragebogen, Sammelröhrchen, Rücksendeaufkleber und Informationsbogen; komplett mit Laboranalyse und individuellem Bericht, Auswertungsdauer laut Anbieter ca. zwei Wochen
Preise und Leistungen: Stand meiner Untersuchung. Bitte vor einer Bestellung beim Anbieter aktuell prüfen.

Ich entschied mich für den Material-Check von Dr. Drexler + Dr. Fecher, da dieser Anbieter mit individuellem Laborbericht, klar strukturiertem Fragebogen zu Baujahr sowie Wand-, Boden- und Deckenaufbau und einer für Privatpersonen nachvollziehbaren Aufbereitung der Ergebnisse warb.

Lieferumfang des Material-Checks von Dr. Drexler und Dr. Fecher zur Laboranalyse von Holzschutzmitteln und PCB mit Probenröhrchen und Formular
Das Set in der Übersicht bestehend aus Fragebogen, Sammelröhrchen, Rücksendeaufkleber und Informationsbogen

Ablauf der Probenahme: Schritt für Schritt

1. Entnahmeort wählen

Für die Probenahme entschied ich mich für einen Dachsparren im ausgebauten Dachgeschoss. Der überwiegende Teil des Dachgeschosses ist bei mir vollständig ausgebaut, es existiert jedoch eine kleine Abseite, die als Lagerraum genutzt wird und in der die Dachsparren noch teilweise offenliegen. Das ist ein für die Probenahme idealer Zugang zum tragenden Konstruktionsholz.

2. An mehreren Stellen schneiden

Mit einem handelsüblichen Cuttermesser schnitt ich an zehn verschiedenen Stellen des Sparrens jeweils ein bis zwei Millimeter dicke Holzstreifen ab. Die Probenahme an mehreren, über das Bauteil verteilten Stellen statt an nur einer einzigen ist deshalb wichtig, weil Holzschutzmittel erfahrungsgemäß nicht gleichmäßig in der Holzstruktur verteilt sind. Eine Einzelprobe könnte zufällig eine besonders stark oder besonders schwach behandelte Stelle treffen und das Ergebnis entsprechend verzerren.

Praktische Entnahme einer Materialprobe von einem Holzbauteil mit einem Cuttermesser für die Schadstoffanalyse

3. In das Röhrchen geben

Die gewonnenen Holzstreifen wurden anschließend in das mitgelieferte Probenröhrchen gegeben.

Holzprobe wird in einem mitgelieferten Röhrchen gesteckt

4. Fragebogen ausfüllen und einsenden

Der ausgefüllte Fragebogen ging zusammen mit dem befüllten Röhrchen per Post an das Labor zurück. Er enthielt Angaben unter anderem zu Probenart, Baujahr des Hauses sowie Wand-, Boden- und Deckenaufbau, ergänzt um Angaben zu eventuellen gesundheitlichen Beschwerden im Haus. Laut Anbieter war mit einer Auswertungsdauer von rund zwei Wochen zu rechnen.

Vorbereitete Holzprobe im beschrifteten Röhrchen und ausgefüllter Untersuchungsbogen im Versandkarton für die Laboranalyse

Warum Entnahmetiefe und Mischprobe wichtig sind

Mein Vorgehen entspricht der gängigen fachlichen Praxis. Die Wirkstoffe sitzen bei den früher üblichen Streich- und Sprühverfahren überwiegend im Randbereich des Holzes. Nach der PCP-Richtlinie werden Materialproben deshalb aus 0 bis 2 mm Tiefe entnommen. Ein Anbieter beschreibt als Praxisvorgehen, die obersten 2 bis 3 mm des Holzes abzutragen und eine Mischprobe zu erstellen. Auch bei Lindan gilt: Unmittelbar nach dem Auftrag können je nach Konzentration und Zahl der Aufträge Gehalte von bis zu einigen 100 mg Lindan pro Kilogramm Holz in der äußeren Schicht bis zu mehreren Millimetern Tiefe vorhanden sein. Wer tiefer schneidet, verdünnt die Probe mit unbehandeltem Kernholz und senkt das Ergebnis künstlich.

Ergebnisse der Analyse

Probenahme: durch Auftraggeber
Probeneingang: 30.05.2025
Objekt/Probe: ausgebautes Dachgeschoss, Dachsparren, Mischprobe verschiedener Holzspäne
Untersuchungsmethode: Ein repräsentativer Anteil der eingesandten Probe wurde nach der VDI-Richtlinie 4301, Blatt 3, mittels Kapillargaschromatographie (HRGC) und Elektroneneinfangdetektor (GC/ECD) untersucht. Die Ergebnisangabe erfolgt in der üblichen Einheit mg/kg (hochgerechnet auf ein Kilogramm Probenmaterial).

ChlorpestizidBefund [mg/kg]gering belastet bis ca.evtl. tolerierbar bis ca.deutlich belastet über
PCP (Pentachlorphenol)n.n530100
Lindan36520100
Chlorthaloniln.n.530100
Dichlofluanid10550100
Tolylfluanidn.n.550100
α-, β-Endosulfann.n.530100
Propiconazoln.n.550100
Permethrinn.n.550100
Deltamethrinn.n.1030100
PCB (nach LAGA)n.n.1030100
DDT (DDX)n.n.1030100
n. n. = nicht nachweisbar; Bestimmungsgrenzen ca. 1 mg/kg; geschätzter Analysefehler ± 30 Prozent, unterhalb der doppelten Bestimmungsgrenze ± 50 Prozent.

Einordnung und Bewertung der eigenen Ergebnisse

Dichlofluanid

(10 mg/kg). Der Wert liegt über der Zone „gering belastet” (bis ca. 5 mg/kg), aber deutlich unter dem Orientierungswert von 50 mg/kg für „evtl. tolerierbar”. Er spielt für meine Gesamtbewertung eine untergeordnete Rolle.

Lindan

(36 mg/kg). Dieser Wert springt sofort ins Auge. Er liegt oberhalb der Zone „gering belastet” (bis ca. 5 mg/kg) und auch oberhalb der Obergrenze des Bereichs „evtl. tolerierbar” (bis ca. 20 mg/kg), aber deutlich unterhalb der Schwelle „deutlich belastet” (über 100 mg/kg). Auch mit dem angegebenen Analysefehler von ± 30 Prozent ergibt sich eine Spanne von rund 25 bis 47 mg/kg, die oberhalb von 20 mg/kg bleibt. Die zusammenfassende Laborbewertung lautet dennoch „leichte, eventuell noch tolerierbare Belastung”. Ich lese beides zusammen so: Der Befund ist kein Alarmwert, aber auch kein Wert, den man ignorieren sollte.

PCP

Das passt zu meiner Recherche, in der sich für Hosby keine Quellenhinweise auf PCP fanden. Eine Probe an einem Bauteil beweist das allerdings nicht für das ganze Haus.

Warum ein Befund von 1986 überrascht

Bemerkenswert ist dieser Befund vor allem im zeitlichen Kontext: Mein Haus wurde 1986 errichtet, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Verwendung von Lindan als Holzschutzmittelwirkstoff bereits drastisch zurückgegangen war. Lindan wird seit 1984 in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr hergestellt, wird aber im Ausland noch verwendet. Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass zu diesem Zeitpunkt kein Lindan mehr in Holzschutzmitteln zum Einsatz kam. Vorhandene Lagerbestände konnten weiterverwendet werden, und ein Bezug lindanhaltiger Mittel aus dem Ausland war rechtlich nicht ausgeschlossen. Mein eigener Befund zeigt damit exemplarisch, dass ein rechnerisch spätes Baujahr allein keine verlässliche Entwarnung hinsichtlich einzelner Wirkstoffe darstellt.

Für die Einordnung bin ich außerdem der Frage nachgegangen, wie sich die zeitliche Zulassungs- und Verwendungsgeschichte von Lindan, insbesondere unterschiedliche Fassungen einschlägiger Regelwerke sowie die Praxis einzelner Hersteller, auf ein Haus meines Baujahrs auswirken konnte. Diese Auseinandersetzung fließt in größerer Tiefe in das Kapitel zur DIN 68800 und ihren historischen Fassungen in meinem Buch ein (siehe auch den Blogartikel zur DIN-68800-Normgeschichte).

Was dieser Befund nicht aussagt

Damit der Bericht nicht überinterpretiert wird, ordne ich die Grenzen des Ergebnisses ein:

  1. Es ist ein Materialwert, kein Raumluftwert. Das Fachwissen dazu ist eindeutig: Eine Berechnung der Raumluftkonzentration aus der Konzentration im Holz ist nicht möglich, eine gesundheitliche Beurteilung allein anhand von Holzwerten ist deshalb nicht sachgerecht. Das gilt in der PCP-Richtlinie für PCP und sinngemäß für verwandte Wirkstoffe.
  2. Die Bewertungsskala stammt vom Labor. Die Orientierungswerte in der Tabelle sind Beurteilungshilfen des Labors, keine gesetzlichen Grenzwerte.
  3. Eine Probe, ein Bauteil. Der Dachsparren sagt nichts über Wandständer, Bodenplatte oder Spanplatten aus.
  4. Ein Messzeitpunkt. Ich habe weder Hausstaub noch Raumluft untersucht. Für Lindan in der Raumluft gibt es einen behördlichen Bezugswert: 1993 veröffentlichte das Bundesgesundheitsamt für PCP und γ-HCH in der Raumluft Eingriffswerte von jeweils 1 µg/m³. Ob mein Haus diesen Wert einhält, sagt der Materialbefund nicht.
  5. Die Ursache bleibt offen. Welches Präparat das Lindan eingebracht hat, lässt sich aus einem Laborwert nicht ableiten. Dazu helfen nur Bau- und Herstellerunterlagen.

Was Leserinnen und Leser aus diesem Erfahrungsbericht mitnehmen können

  • Ein eigener Material-Check ersetzt kein umfassendes Schadstoffgutachten, liefert aber für vergleichsweise geringe Kosten (ab ca. 100 €) einen ersten, laborgestützten Anhaltspunkt.
  • Untersucht wird bei den gängigen Selbsttest-Angeboten das Material selbst, nicht die Raumluft. Das ist ein Unterschied, der bei der Produktauswahl leicht übersehen wird.
  • Die Probenahme an mehreren Stellen desselben Bauteils erhöht die Aussagekraft des Ergebnisses erheblich, da Holzschutzmittel nicht gleichmäßig im Holz verteilt sind.
  • Ein spätes Baujahr ist kein verlässlicher Indikator für das Fehlen bestimmter Wirkstoffe. Lagerbestände und Importe konnten Verwendungsverbote zeitlich überdauern.
  • Bei auffälligen Befunden, insbesondere im Bereich „evtl. tolerierbar” oder darüber, empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Sachverständigen, um über die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen (Hausstaub, Raumluft) oder Sanierungsschritte zu entscheiden.

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich eine Holzprobe für einen Holzschutzmittel-Test selbst entnehmen?

Ja, das ist bei Material-Checks für den Hausgebrauch vorgesehen. Wichtig sind eine saubere Entnahme der obersten Holzschicht (etwa 1 bis 2 mm) an mehreren Stellen des Bauteils und die Angabe von Baujahr und Bauteil im Fragebogen.

Wie viel kostet ein Holzschutzmittel-Check mit Laboranalyse?

Bei meiner Untersuchung lagen die Angebote bei etwa 109 und 150 Euro. Preise ändern sich, bitte beim Anbieter aktuell prüfen.

Welche Wirkstoffe werden untersucht?

In meinem Fall elf Wirkstoffe bzw. Wirkstoffgruppen, darunter PCP, Lindan, Dichlofluanid, Endosulfan, Permethrin, PCB und DDT. Der genaue Umfang unterscheidet sich je nach Anbieter.

Sagt der Holzwert etwas über die Raumluft aus?

Nein. Aus der Konzentration im Holz lässt sich die Raumluftbelastung nicht berechnen. Für eine Aussage zur Raumluft sind Hausstaub- oder Raumluftmessungen nötig.

Ist ein spätes Baujahr wie 1986 eine Garantie für Lindan-Freiheit?

Nein. Obwohl die Herstellung in der Bundesrepublik seit 1984 eingestellt war, konnten Lagerbestände und Importe weiterverwendet werden. Mein Befund zeigt das exemplarisch.

Wann sollte ich nach einem Selbsttest einen Sachverständigen hinzuziehen?

Wenn Werte im Bereich „evtl. tolerierbar” oder darüber liegen, wenn Gesundheitsbeschwerden bestehen oder wenn Kauf, Verkauf, Sanierung oder ein Streitfall anstehen. Siehe dazu den Artikel „Selbsttest oder Labor?”.

Weiterführende Literatur

Dieses Thema behandle ich in meinem Buch „Das Fertighausdilemma” ausführlich, mit Normgeschichte, Selbsttestmethoden und Checklisten für Käufer, Verkäufer, Makler und Bewohner.

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Über den Autor

Maximilian Hundertmark

Der Autor befasst sich seit Jahren intensiv mit den baulichen Besonderheiten, Schadstoffrisiken und Geruchsproblemen älterer Fertighäuser. Als Autor der Bücher „Hosby“ und „Das Fertighaus-Dilemma“ fasst er fundierte Recherchen und praktische Erkenntnisse zusammen, um Hauskäufern und Eigentümern eine unabhängige und ehrliche Orientierung zu bieten.