Kurz zusammengefasst
| Die klassische Spanplatte besteht aus verpressten Holzspänen und einem Bindemittel, meist einem Harnstoffharz mit Formaldehyd. Im Fertighausbau gab es daneben Platten mit zusätzlichen Eigenschaften. Dazu zählen feuchtebeständig verleimte Platten der Klassen V100 und V100G, Platten mit chemischem Holzschutz nach DIN 68800 Teil 5, schwerentflammbare Platten und mineralisch gebundene Platten. Die Farbe einer Platte ist ein Hinweis, aber kein Beweis. Grün stand in Deutschland häufig für Feuchtebeständigkeit. In Österreich sah ein Verordnungsentwurf Grün zeitweise für Platten mit niedriger Formaldehydabgabe vor. Welcher Zusatz tatsächlich in einer Platte steckt, klären Stempel, Bauunterlagen und im Zweifel ein Labor. Auch eine unauffällige Platte in Naturfarbe kann Formaldehyd abgeben, denn der Leim ist unsichtbar. |
Verschiedene Plattentypen
Wer in einem alten Fertighaus eine Wand öffnet, findet oft Spanplatten. Sie sitzen hinter Tapeten und Verkleidungen, unter Dachschrägen, in Abseiten und unter Bodenbelägen. Viele Eigentümer gehen davon aus, dass es überall dieselbe Platte ist. Das stimmt nur zum Teil.
Neben der klassischen Spanplatte gab es Varianten mit zusätzlichen Behandlungen. Manche waren feuchtebeständig verleimt. Andere waren gegen Pilze und Insekten geschützt. Wieder andere sollten Feuer langsamer weiterleiten. Dazu kamen Platten mit mineralischem Bindemittel. Diese Typen unterscheiden sich in Herstellung, Einsatzort und Schadstofffrage.
Die Anlage zu diesem Artikel zeigt fünf nummerierte Plattenstücke in unterschiedlichen Farben. Sie ist der Ausgangspunkt, um zu erklären, was Farben über eine Platte verraten und was nicht. Der Artikel ordnet die wichtigsten Typen, nennt die Normen, beschreibt die Geschichte der Formaldehydgrenzwerte und zeigt, wie sich Platten im eigenen Haus einordnen lassen. Er ersetzt keine Untersuchung. Er hilft aber dabei, die richtigen Fragen zu stellen.
Die klassische Spanplatte
Eine Spanplatte ist ein Holzwerkstoff aus verpressten Holzspänen und einem Bindemittel. Die Späne werden getrocknet, beleimt, zu einer Matte gestreut und unter Druck und Hitze gepresst. Üblich ist ein Aufbau in mehreren Schichten. Außen liegen feinere Späne, innen gröbere. Das Ergebnis ist eine große, glatte und gut zu bearbeitende Platte.
Als Bindemittel dienten bei der klassischen Platte überwiegend Harnstoffharze, die Formaldehyd enthalten. Schon in den 1950er Jahren gab es Spanplatten mit solchen Klebern. Der Leim ist der Grund, warum Spanplatten in der Schadstoffdiskussion eine eigene Rolle spielen. Man sieht ihn weder an der Farbe noch an der Oberfläche.
Für den Fertighausbau war die Platte attraktiv. Sie war günstig, formstabil und in großen Formaten lieferbar. Im Werk ließ sie sich schnell zuschneiden. Man findet sie als Beplankung von Wänden, als Deckenverkleidung, im Dachausbau und als Verlegeplatte im Fußboden. Viele Platten haben Nut und Feder an den Kanten, damit sie ohne Fugen aneinanderschließen.
Die klassische Platte hat eine bekannte Schwäche. Sie nimmt Feuchtigkeit auf und quillt. Deshalb suchten Hersteller und Planer nach Varianten, die mehr aushalten. Daraus entstanden die Sondertypen, um die es in den nächsten Abschnitten geht.
Warum es mehr als einen Plattentyp gab
Ein Haus besteht aus Bauteilen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen. Eine Platte im trockenen Wohnzimmer wird anders beansprucht als eine Platte im Bad, im Dachgeschoss oder auf einer Betondecke. Dazu kommen Fragen des Brandschutzes, etwa bei Treppenräumen, Abseiten und Trennwänden. Außerdem sollte Holz nach den damaligen Regeln vor Pilzen und Insekten geschützt werden, wenn Feuchtigkeit nicht sicher auszuschließen war.
Hersteller reagierten mit Plattenvarianten. Die Unterschiede lagen im Bindemittel, in zugesetzten Wirkstoffen oder in einer nachträglichen Behandlung. Normen ordneten diese Varianten. Für die Verleimung galt lange die DIN 68763, für den chemischen Schutz die DIN 68800 Teil 5 und für die Formaldehydabgabe Richtlinien der Bauaufsicht. Wer ein Haus aus den 1960er bis 1980er Jahren bewertet, trifft deshalb oft mehrere Plattentypen im selben Gebäude an.
Feuchtebeständig verleimte Platten V20, V100 und V100G
Die Norm DIN 68763 regelte Flachpressplatten für das Bauwesen. Sie erschien in einer Fassung von 1980 und wurde 1990 neu gefasst. Heute ist sie zurückgezogen. Sie arbeitete mit Klassen für die Klebstofffestigkeit. Diese Klassen hießen V20, V100 und V100G.
Die Klasse V20 war für trockene Bereiche im Innenraum gedacht. Die Klasse V100 stand für den Feuchtebereich. Solche Platten sind feuchtebeständiger als V20. Sie quellen bei direktem Wasserkontakt aber trotzdem stark auf. Das ist wichtig. Feuchtebeständig bedeutet nicht wasserfest.
Das G in V100G steht üblicherweise für einen zusätzlichen Schutz gegen Pilzbefall. Solche Platten enthielten also ein Holzschutzmittel. Damit rückt die Platte in den Bereich des chemischen Holzschutzes, der im nächsten Abschnitt behandelt wird.
Zur Farbe gibt es eine verbreitete Faustregel. Lehrmaterial für Holzberufe nennt Grün als Erkennungsmerkmal von V100 Platten im Plattenlager. Auch die spätere europäische Systematik ordnet Grün dem Feuchtbereich zu und löst damit die alten Klassen ab. In Deutschland steht Grün also häufig für Feuchtebeständigkeit.
Diese Regel hat Grenzen. Nicht jede grüne Platte ist eine V100 Platte. Und nicht jede V100 Platte ist grün. Die Farbe war eine Praxis von Herstellern und Händlern und keine Garantie. Wie unterschiedlich Grün in anderen Ländern verwendet wurde, zeigt der Abschnitt zur Formaldehydgeschichte.
Die europäische Norm DIN EN 312 hat die alten Klassen später ersetzt. Sie unterscheidet Plattentypen für den Trockenbereich, für Inneneinrichtungen und für nichttragende Zwecke im Feuchtbereich. Für Häuser aus den 1960er bis 1980er Jahren sind aber die alten Klassen maßgeblich.
Platten mit chemischem Holzschutz nach DIN 68800 Teil 5
Der chemische Schutz von Holzwerkstoffen hatte eine eigene Norm. Die DIN 68800 Teil 5 erschien im Mai 1978 unter dem Titel Holzschutz im Hochbau, Vorbeugender chemischer Schutz von Holzwerkstoffen. Sie regelte Schutzmittel und Verfahren. Vorgesehen war ausdrücklich auch die nachträgliche Schutzbehandlung fertiger Holzwerkstoffe am Bau. Platten konnten also schon im Werk geschützt oder erst auf der Baustelle behandelt werden.
Später wurde die Norm eingegliedert. Die neue DIN 68800 Teil 3 ersetzt Teil 5 von 1978 und hat dessen Inhalte als normativen Anhang A übernommen. Wer alte Unterlagen sucht, findet die Regeln für Platten deshalb unter Teil 5.
Bei den Wirkstoffen gab es Besonderheiten. Für Holzwerkstoffe existierten Sonderpräparate. Sie beruhten auf anorganischen Borverbindungen, Kaliumfluoriden oder Kalium HDO. Klassische anorganische Holzschutzmittel enthielten allgemein überwiegend Verbindungen von Arsen, Bor, Fluor, Chrom und Kupfer. Welche davon in einer bestimmten Platte stecken, lässt sich ohne Unterlagen nicht sagen.
Kupferhaltige Salze färben Holz bekanntlich grünlich. Das kann ein Grund für Grüntöne bei geschützten Platten sein. Ein sicherer Schluss ist das nicht. Auch Farbstoffe können zugesetzt worden sein, um behandelte Teile erkennbar zu machen.
Ein Gedanke ist hier besonders wichtig. Geschützt heißt nicht unbedenklich. Der Schutz zielte auf Pilze und Insekten, nicht auf die Gesundheit der Bewohner. Ob in einzelnen Platten oder auf ihrer Oberfläche zusätzlich organische Wirkstoffe wie Lindan oder PCP vorhanden sind, ist eine Frage der Analyse im Einzelfall. Die Artikel zu PCP und Lindan sowie zu Selbsttest oder Labor in dieser Serie erklären das Vorgehen.
Schwerentflammbare Platten mit Flammschutz
Eine weitere Gruppe waren Platten mit Flammschutz. Sie sollten die Brandentwicklung bremsen und wurden nach der Baustoffklasse B1 der DIN 4102 als schwerentflammbar eingestuft. Der Nachweis lief über Prüfzeugnisse.
Das Prinzip ist alt. Ein deutsches Patent zur Herstellung schwerentflammbarer Spanplatten nennt als bekannte Chemikalien unter anderem Borsäure, Natriumtetraborat, Ammoniumsulfat, Ammoniumphosphat und Zinkchlorid. Borsäure wurde den getrockneten Holzspänen vor oder nach der Beleimung als Granulat oder Pulver zugesetzt, in Anteilen von drei bis fünfzehn Prozent.
Eine Platte mit Flammschutz ist von außen nicht sicher zu erkennen. Ob sie Flammschutzmittel enthält, steht am ehesten im Stempel oder in den Lieferunterlagen. Für die Schadstofffrage zählt, welche Stoffe eingesetzt wurden und wie fest sie gebunden sind. Eine pauschale Aussage ist nicht möglich.
Mineralisch gebundene Spanplatten
Neben den Platten mit organischem Leim gab es Platten mit mineralischem Bindemittel. Das bekannteste Beispiel sind zementgebundene Spanplatten. Für sie gibt es eine eigene europäische Normreihe, die DIN EN 634. Die Holzspäne werden dabei mit Zement verpresst. Solche Platten sind grau, schwer und widerstandsfähiger gegen Feuchte. Sie enthalten keinen Harnstoffleim. Formaldehyd aus dem Bindemittel ist hier deshalb in der Regel kein Thema.
Zementgebundene Spanplatten dürfen nicht mit Asbestzement verwechselt werden. Asbestzement enthält Asbestfasern und ist ein anderes Material, das vor allem in Fassaden und Dächern verwendet wurde. Eine Platte, die wie Zement aussieht, sollte vor jeder Bearbeitung geklärt werden. Bei Asbestverdacht gehört die Probenahme in die Hände von Fachleuten.
Beschichtete Platten, OSB, MDF und andere Holzwerkstoffe
Dieser Artikel behandelt Spanplatten. Im Haus kommen oft weitere Holzwerkstoffe vor. Es gab zum Beispiel kunststoffbeschichtete Flachpressplatten. Sie waren in der DIN 68765 unter dem Kurzzeichen KF geregelt. Grobspanplatten, bekannt als OSB, bestehen aus großen Spänen und sind in Häusern der 1960er und 1970er Jahre selten. Mitteldichte Faserplatten, kurz MDF, und Sperrholz finden sich eher im Innenausbau und in Möbeln. Auch sie können je nach Bindemittel Formaldehyd enthalten. Wer eine Platte im Haus nicht sicher als Spanplatte erkennt, sollte sie als unbekannten Holzwerkstoff behandeln.
Formaldehyd, die unsichtbare Eigenschaft fast aller Platten
Die meisten Spanplatten jener Zeit enthielten Formaldehyd im Leim. Wie hoch die Abgabe war, hing vom Baujahr und von der Emissionsklasse ab.
In den Jahren 1975 und 1976 wurden in Kölner Schulen hohe Formaldehydkonzentrationen gemessen. 1977 nannte das Bundesgesundheitsamt einen Richtwert von 0,1 ppm für Innenräume. Eine Emissionsbegrenzung für Spanplatten im Baubereich folgte 1980. Vorher gab es für Bauspanplatten also keine solche Begrenzung.
Im Jahr 1980 erließ das Institut für Bautechnik in Berlin eine Richtlinie für die Verwendung von Spanplatten. Sie unterschied die Emissionsklassen E1 mit 0,1 ppm, E2 mit 1,0 ppm und E3 mit 2,3 ppm. Für E1 galt ein Perforatorwert von 10 mg pro 100 g Platte. Später durften nur noch Platten der Klasse E1 in Verkehr gebracht werden. Nach einer Antwort der Bundesregierung von 1988 müssen seit Inkrafttreten der Gefahrstoffverordnung alle Holzwerkstoffe unter Prüfraumbedingungen die Ausgleichskonzentration von 0,1 ppm einhalten.
1993 löste die Chemikalien Verbotsverordnung die Gefahrstoffverordnung ab, ohne die Formaldehydregeln inhaltlich zu ändern. 1994 wurde die Regelung durch die DIBt Richtlinie 100 auf alle Holzwerkstoffe ausgeweitet. Der Wert von 0,1 ppm entspricht 124 µg/m³ und wurde schon 1977 vom Bundesgesundheitsamt als Richtwert genannt.
Ein Detail aus Österreich
Für die Farbfrage ist ein Detail aus Österreich aufschlussreich. Ein österreichischer Verordnungsentwurf von 1986 sah vor, dass Platten der Klasse E1 mit dem Zeichen E1 versehen oder grün eingefärbt sein sollten. Platten der Klassen E2 und E3 sollten ein eigenes Zeichen und einen Warnhinweis tragen. Grün konnte also je nach Land und Zeit etwas anderes bedeuten.
Eine Platte der Klasse E1 ist nicht frei von Formaldehyd. Sie hält einen Grenzwert unter Prüfbedingungen ein. Im Haus hängt die tatsächliche Raumluftkonzentration von Alter, Temperatur, Feuchte, Lüftung und der Plattenmenge ab. Platten, die vor 1980 eingebaut wurden, unterlagen keiner Emissionsklasse. Hier ist die Wahrscheinlichkeit höherer Werte größer, auch wenn nach Jahrzehnten ein Teil des Formaldehyds ausgegast ist.
Die Farbe als Anhaltspunkt
Die Anlage zeigt fünf Plattenstücke. Die Nummern 1 bis 5 stehen im Bild. Die Beschreibung bezieht sich auf das, was sichtbar ist. Licht, Kamera und Alter verändern Farben. Die Deutungen sind deshalb Möglichkeiten und keine Diagnosen.
Platte 1, gedämpftes Grün
Die Platte zeigt einen graugrünen Ton auf der Oberfläche. An der Kante scheint er in den äußeren Schichten zu liegen, während der Kern bräunlich bleibt. Das passt zu einer Platte, bei der Farbstoff oder Wirkstoff vor allem außen sitzt. In Deutschland steht Grün häufig für Feuchtebeständigkeit, also für Platten der Klasse V100 oder für spätere Platten für den Feuchtbereich. Möglich ist auch ein zusätzlicher Holzschutz wie bei V100G. Kupferhaltige Schutzsalze kommen als Ursache ebenfalls in Betracht. Sicher lässt sich das nur mit Stempel, Unterlagen oder Analyse klären.
Platte 2, kräftiges Blau
Die Platte ist stark blaugrün bis türkis gefärbt. Die Farbe reicht sichtbar in die Kante hinein, wo blaue Späne zwischen braunen liegen. Eine solche Farbe entsteht nicht durch Alterung. Sie spricht für einen bewusst zugesetzten Farbstoff oder ein Pigment, zum Beispiel im Leim, in der Spanmischung oder in einer Behandlung. Farbzusätze sind in der Holzschutzpraxis grundsätzlich üblich, um behandelte Teile erkennbar zu machen. Hersteller nutzten Farben auch, um Plattentypen zu kennzeichnen. Eine einheitliche Farbnorm für alle Hersteller ist nicht bekannt. Was Blau bei dieser Platte bedeutet, hängt deshalb vom Hersteller ab. Nut und Feder an der Kante sind typisch für Platten, die flächig verbunden wurden.
Platte 3, verwaschenes Graublau
Die Oberfläche wirkt grau mit bläulichem Schimmer, stellenweise heller. Das spricht eher für einen Prozess als für einen gezielten Zusatz. In Frage kommen Alterung, Feuchteeinwirkung, Pilzverfärbung, eine Oberflächenbehandlung oder eine Mischung mehrerer Ursachen. Auch ein ausgeblichener Farbzusatz ist denkbar. Graublaue Verfärbungen an Holz werden häufig von Bläuepilzen verursacht. Ob das hier der Fall ist, kann nur eine Untersuchung zeigen.
Platte 4, dunkelbraun und glänzend
Die Oberfläche wirkt nass und lackiert, mit rotbraunen und schwarzen Zonen. Das deutet auf eine Beschichtung, eine Tränkung oder starke Verschmutzung hin. Denkbar sind Öle, Lasuren, bituminöse oder teerhaltige Anstriche oder Spuren von Wasserschäden. Teerhaltige Produkte können PAK enthalten. Das Foto erlaubt dazu keine Aussage. Eine solche Platte sollte vor einer Bearbeitung beprobt werden, denn Schleifen und Sägen setzen Staub frei.
Platte 5, Naturfarbe
Die Platte zeigt die typische hellbraune Farbe der Holzspäne ohne erkennbare Färbung. Nut und Feder sind gut zu sehen. Das ist die klassische Platte ohne sichtbaren Zusatz. Sie kann dennoch Formaldehyd abgeben, denn der Leim ist nicht zu sehen. Auch eine Behandlung ohne Farbstoff ist denkbar. Die Naturfarbe ist deshalb kein Nachweis für Unbedenklichkeit.
| Nummer | Erscheinung im Bild | Mögliche Hintergründe | Aussagekraft der Farbe |
| 1 | gedämpftes Grün | Feuchtebeständigkeit, Holzschutz, kupferhaltige Salze | gering bis mittel |
| 2 | kräftiges Blau bis Türkis | zugesetzter Farbstoff, Kennzeichnung eines Sondertyps | gering ohne Herstellerangaben |
| 3 | verwaschenes Graublau | Alterung, Feuchte, Pilzverfärbung, Oberflächenbehandlung | gering |
| 4 | dunkelbraun, glänzend | Beschichtung, Tränkung, Verschmutzung, Wasserschaden | gering |
| 5 | Naturfarbe | klassische Platte ohne sichtbaren Zusatz | keine Aussage zu Formaldehyd |

Die Übersicht zeigt das Grundprinzip. Eine auffällige Farbe weist darauf hin, dass an der Platte etwas anders ist. Sie verrät aber nicht zuverlässig, was. Hinzu kommt, dass viele Platten überstrichen, tapeziert oder beschichtet wurden. Dann geht die Farbe als Merkmal verloren.
So ordnen Sie Platten im eigenen Haus ein
Beginnen Sie mit Fotos. Fotografieren Sie die Platte, die Kante und, wenn zugänglich, die Rückseite. Legen Sie einen Zollstock daneben. Notieren Sie Fundort, Dicke und Format.
Suchen Sie danach nach Stempeln und Aufdrucken. Viele Platten tragen auf der Rückseite oder an der Kante Angaben zu Hersteller, Typ, Norm und Emissionsklasse. Sie sind oft verblasst. Streiflicht hilft beim Lesen.
Prüfen Sie die Bauunterlagen. Baubeschreibung, Bauantrag, Typenpläne und Rechnungen nennen häufig den Plattentyp. Fragen Sie beim Hersteller oder dessen Rechtsnachfolger nach. Die Artikel zur Typenprüfung und zur Normgeschichte der DIN 68800 erklären, welche Unterlagen es gab und wo man sie findet.
Nehmen Sie bei Unklarheit nicht selbst Material aus der Platte. Staub kann Formaldehyd und andere Stoffe enthalten. Schleifen, Sägen und Bohren ohne Schutz sollten Sie vermeiden. Wenn Sie eine Probe untersuchen lassen möchten, hilft der Artikel zu Selbsttest oder Labor bei der Wahl der Methode. Bei Verdacht auf Asbest gilt eine eigene Regel. Hier sollten ausschließlich Fachfirmen arbeiten.
Warum die Unterscheidung für die Schadstoffbewertung zählt
Der Plattentyp lenkt die Untersuchung. Bei klassischen Platten steht Formaldehyd im Vordergrund. Geschützten Platten wurden mit Holzschutzwirkstoffe versehen. Als Flammschutz dienten Salze mit Bor oder Ammonium. Bei beschichteten oder getränkten Platten ist an PAK zu denken.
Ohne Typbestimmung muss ein Gutachter breit suchen, und das kostet Geld. Mit Typbestimmung lässt sich gezielter untersuchen. Für Kauf und Verkauf gilt, dass Käufer und Verkäufer die Ergebnisse besser einordnen können, wenn die Plattentypen bekannt sind. Für die Sanierung entscheidet der Typ mit über Aufwand und Entsorgung.
Baujahr und Normstand liefern den Rahmen. Die Artikel zum Baujahr 1965 bis 1985 und zur Normgeschichte der DIN 68800 vertiefen diesen Teil.
Farben helfen bei der ersten Orientierung
| Die Spanplatte im alten Fertighaus ist kein einheitliches Produkt. Neben der klassischen Platte gab es feuchtebeständig verleimte Platten, Platten mit chemischem Holzschutz, Platten mit Flammschutz und mineralisch gebundene Platten. Jede Variante wirft eigene Fragen auf. Farben helfen bei der ersten Orientierung. Grün steht in Deutschland oft für Feuchtebeständigkeit. Blau, Graublau und Dunkelbraun können viele Ursachen haben. Eine Naturfarbe schließt nichts aus, weil der Leim unsichtbar ist. Verlässliche Antworten liefern Stempel, Unterlagen und Analysen. Wer seine Platten kennt, untersucht gezielter, plant die Sanierung besser und kann Ergebnisse sicherer einordnen. |
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Häufig gestellte Fragen
Woran erkenne ich, ob meine Spanplatte feuchtebeständig verleimt ist?
Hinweise sind ein Stempel mit der Angabe V100 oder V100G und häufig eine grüne Färbung. Die Farbe allein ist kein sicherer Beleg, denn nicht jeder Hersteller hat so gekennzeichnet und Platten werden überstrichen. Sicherheit geben Typangabe und Bauunterlagen.
Heißt eine grüne Platte, dass sie mit Holzschutzmittel behandelt wurde?
Nein. Grün kann Feuchtebeständigkeit, einen Holzschutz oder eine andere Kennzeichnung bedeuten. In Österreich sah ein Verordnungsentwurf von 1986 Grün sogar für Platten mit niedriger Formaldehydabgabe vor.
Was bedeutet das G bei V100G?
Üblicherweise steht es für einen zusätzlichen Schutz gegen Pilzbefall. Die Regeln dafür standen in der DIN 68800 Teil 5 von 1978. Welcher Wirkstoff in einer bestimmten Platte steckt, steht in den Herstellerunterlagen oder ergibt sich aus einer Analyse.
Sind Platten der Klasse E1 frei von Formaldehyd?
Nein. E1 bedeutet, dass die Platte einen Grenzwert von 0,1 ppm unter Prüfbedingungen einhält. Im Haus hängt die Raumluftkonzentration von vielen weiteren Faktoren ab.
Darf ich eine unbekannte Platte selbst anschleifen oder aufsägen, um sie zu untersuchen?
Davon ist abzuraten. Dabei entsteht Staub, der Formaldehyd, Holzschutzwirkstoffe oder andere Stoffe enthalten kann. Besser ist eine dokumentierte Probenahme oder die Beauftragung eines Sachverständigen.
Wo finde ich Unterlagen zu den verbauten Platten?
In der Bauakte beim Bauamt, in der Baubeschreibung, bei den ersten Eigentümern und beim Hersteller oder seinem Rechtsnachfolger. Der Artikel zur Typenprüfung erklärt, warum manche Unterlagen nur beim Hersteller liegen.
Sind alle alten Spanplatten gesundheitsschädlich?
Nein. Entscheidend sind Typ, Alter, Einbausituation und Emission. Viele Platten sind nach Jahrzehnten deutlich ausgegast. Ob eine konkrete Platte relevant ist, klärt eine Untersuchung.
Weiterführende Literatur
Dieses Thema behandle ich in meinem Buch „Das Fertighausdilemma” ausführlich. Dort finden Sie die Normgeschichte, die Beschreibung der Plattentypen und Checklisten für Käufer, Verkäufer, Makler und Bewohner.
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